Gute Seele der Modellbauwerkstatt: Alois Bräu

Viele Mitarbeitende unterstützen Studierende im Hochschulalltag. Einige von ihnen, wie z. B. Schreinermeister Alois Bräu, haben fast ihr gesamtes Berufsleben an der OTH Regensburg verbracht.

Jubiläumsgeschichte Alois Bräu
Foto: OTH Regensburg/Florian Hammerich

Wer an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) Architektur studiert, kommt unweigerlich irgendwann zu Alois Bräu. In der Modellbauwerkstatt in der Prüfeninger Straße unterstützt der Schreinermeister die Studierenden, die er liebevoll "Studis" nennt, bei ihren Konstruktionen. „Damit die Studis nicht wegen jeder Leiste zum Baumarkt müssen“ bereitet er zum Beispiel Normteile in riesiger Vielfalt vor. Er erklärt Maschinen und Techniken, verarztet nach Gebrauch des Cutters gelegentlich blutende Finger – was dank extra von ihm angeschaffter Lineale mit Handschutz kaum noch vorkommt – und ist immer wieder Seelentröster, wenn der Entwurf der Studierenden nicht gut ankommt. „Manchmal muss ich jemanden aufmuntern“, sagt Bräu. Für ihn gehört das zu seinem Selbstverständnis.

„Wir schauen auf unsere Studis. Die haben so einen Stress. Mehr als früher“, findet er und kann das wohl beurteilen: Schließlich ist er seit mehr als 30 Jahren an der Fakultät und hat schon Generationen angehender Architekt*innen werkeln und schwitzen sehen. „Vor den Abgaben sitzen sie oft bis nachts in den Arbeitsräumen.“

Als Alois Bräu 1988 aus einer großen, hochmodernen Firma an die Hochschule wechselte, war er mit seinen 28 Jahren der jüngste in der Zentralwerkstatt – und etwas überrascht vom veralteten Stand der Technik. „Ich habe als Hausschreiner angefangen“, erinnert sich Bräu. Der Modellbau war damals nur eine von vielen Aufgaben neben Reparaturen im Haus oder besonderen Konstruktionen, wie Unterbauten für Labormaschinen. Häufig baute Bräu auch Modelle, anhand derer die Professor*innen in ihren Vorlesungen Lehrinhalte anschaulicher vermitteln konnten.

Er mag die kreative Arbeit. „Ich bin gerne Schreiner, das ist der schönste Beruf der Welt. Und Modellbau hat mir schon immer Spaß gemacht. Ich bin ein relativ feinfühliger Mensch“, sagt Bräu und erzählt, wie er schon als Kind mit seinem Vater an filigranen Flugzeugmodellen tüftelte. Weil im Laufe der Jahre die Professor*innen den Modellbau in der Lehre zunehmend forcierten, wurde die Arbeit mit den Studierenden nach und nach zu seiner Hauptaufgabe. Bis zu 50 Leute tummelten sich manchmal in seiner Ein-Zimmer-Werkstatt, bis diese vor einigen Jahren auf die heute großzügigen Räume erweitert wurde. Inzwischen erleichtern modernste Lasercutter, eine CNC-Maschine und andere Technik die Arbeit – und natürlich die Unterstützung von Laboringenieur und Schreinermeister Michael Salberg und seinem Schreinerkollegen Martin Forster.

Früher, als die Fakultät noch etwas kleiner war, kannte Alois Bräu alle seine "Studis" persönlich. Noch viele Jahre später erinnern sie sich auch an ihn. So stellte sich etwa beim Hausbau seiner Tochter vor einiger Zeit heraus, dass die Architektin vor mehr als 20 Jahren an der OTH Regensburg studiert hatte – und noch gerne an Alois Bräu und seine Werkstatt zurückdenkt.