Ein Atomlabor an der OTH Regensburg

Das Isotopenlabor der OTH Regensburg entstand in der Hochphase der Atombegeisterung.

Foto: Stadt Regensburg/Peter Ferstl

Eine eigentlich unscheinbare, aber massive Metalltür verschließt den Zugang zum alten Isotopenlabor der OTH Regensburg an der Prüfeninger Straße. Dahinter, im Untergeschoss des denkmalgeschützten Gebäudes, verbirgt sich ein Labyrinth aus Räumen, in dem die Vergangenheit direkt beim Betreten spürbar wird. Warnschilder an den Wänden, uralte Schaltschränke, Knöpfe und Gerätschaften aus der Hochphase der Atombegeisterung. Das fast 300 Quadratmeter große Labor verzweigt sich weit in zumeist kleine, verwinkelte Räume. Die vielen Innenwände schützen vor der Strahlung. Sogar eine alte Waschmaschine steht hier noch, mit der man die Laborkleidung waschen konnte.

„Mitte der Sechzigerjahre wurde das sogenannte Atomlabor im Zuge von Baumaßnahmen eingerichtet“, erzählt der ehemalige Laborleiter und Strahlenschutzbeauftragte der OTH Regensburg, Prof. Dr. Thomas Peterreins. Wer sich mit ihm auf Besichtigungstour begibt, erfährt nicht nur viel über die Forschungen und Fortbildungen, die hier betrieben wurden, sondern auch die Legenden, die sich um das Labor ranken. „Der Sage zufolge hatte der ehemalige Bundesminister für Atomfragen, Siegfried Balke, den Bau damals forciert, um in Bayern ein Ausbildungszentrum für die aufstrebende Kerntechnik zu etablieren“, berichtet Prof. Dr. Peterreins. Daraus wurde am Ende nichts; doch sind im Laufe der Jahrzehnte immerhin weit über 1000 angehende Ingenieur*innen in diesem Labor in den Grundzügen des Strahlenschutzes ausgebildet worden, die zur Ausbildung zu*r Immissionsschutzbeauftragten zählt. Das Labor hatte eine Genehmigung zum Umgang mit umschlossenen und auch in sehr begrenztem Umfang offenen radioaktiven Stoffen. Eine Vielzahl von Messgeräten war hier einst im Einsatz. Außerdem konnten die Wissenschaftler schon damals technische Röntgenaufnahmen anfertigen und komplexe Verfahren anwenden wie Röntgenfluoreszenzanalyse und Kristallstrukturbestimmung.

Eine geringe Belastung

„Das Gesamtinventar betrugt einige Hundert Megabequerel“, berichtet Prof. Dr. Peterreins. „Das ist in etwa so viel, wie einem Patienten bei einer einzigen nuklearmedizinischen Untersuchung in einer Klinik gespritzt wird, auch wenn man dies nicht ganz vergleichen kann.“ Vor vier Jahren zog das Atomlabor in einen Neubau am Campus um und wird seither in kleinerem Umfang und ohne den Umgang mit offenen Stoffen weitergeführt, unter anderem für Messungen zur Radon-Problematik, also natürlicher Radioaktivität.

  • Diese Geschichte ist Teil unseres Jubiläumsmagazins, das im Sommersemester 2021 erscheinen wird.