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Doktorarbeit zu Demokratie im Design

27.06.2022
Von: IAFW

Stefanie Reich hat sich in ihrer Doktorarbeit mit hervorragendem Erfolg mit demokratischem Design besonders im Hinblick auf die Gestaltung zukünftiger Medizingeräte sowie deren Informationsumgebungen beschäftigt.

Freut sich über ihre mit "magna cum laude" abgeschlossene Promotion: Stefanie Reich.

Freut sich über ihre mit "magna cum laude" abgeschlossene Promotion: Stefanie Reich.

In ihrer Präsentation an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel stellte Stefanie Reich zunächst das Verständnis des Demokratiebegriffs vor, das ihrer Doktorarbeit mit dem Titel „Designing Democracy“ zugrunde lag. Demokratie wird hier als wichtiger Faktor zur Gestaltung des Sozialen definiert, um das universale Ziel eines guten und würdevollen Lebens für alle Menschen zu realisieren. Anschließend skizzierte Reich die Nutzung verschiedener Demokratiekonzepte und deren Mehrwert im Design, welchen sie am konkreten Beispiel des Projekts „Granby Four Streets“ des Assemble Studio in Liverpool genauer erläuterte. Hierbei handelt es sich um ein laufendes Projekt zum Wiederaufbau von Granby, einem einst sehr multikulturellen Stadtteil von Liverpool, der jedoch durch schlecht geplante Sanierungsinitiativen der Stadt letztlich bis auf vier Straßen, die „Granby Four Streets“ abgerissen werden musste. Zu deren Rettung hat sich 2012 ein Kollektiv von Anwohner*innen, Architekt*innen, Designer*innen sowie Künstler*innen zusammengeschlossen, die das Ziel formulierten, den Menschen im Viertel, etwa durch lokale Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten, wieder eine Perspektive zu geben sowie die Möglichkeit, sich selbst in die Gestaltung und den Wiederaufbau von Granby einbringen zu können. Das Viertel wurde gemeinschaftlich und komplett in Eigenleistung aufgebaut und gilt heute wieder als ein attraktives diverses Stadtviertel. Dieser Erfolg belegt Stefanie Reich zufolge, wie Design durch die Kraft des kollektiven Arbeitens und kreativen Gestaltens eine ganz neue gesellschaftliche wie auch örtliche Verbundenheit schaffen kann.

Ausgehend von diesem Beispiel betrachtete Reich die im demokratischen Design wichtigen Aspekte der Gestaltung. Diese erörterte sie unter den Vorzeichen der Theorie (z.B. Bauhaus), des Gestaltungsprozesses (z.B. Checklisten zur praktischen Anwendung) und der Lehre (z.B. Entwurf, Entwicklung und Evaluation demokratischer Designmodelle). Durch die Befragung von Betroffenen und der Evaluierung ihrer Bedürfnisse sind drei verschiedene konzeptionelle Entwürfe von Messinstrumenten zur Überprüfung des Wasserhaushaltes geriatrischer Patient*innen entstanden, die Reich exemplarisch vorstellte. In einem kurzen Ausblick machte die Vortragende deutlich, dass die Thematik auch auf weitere Beispiele und Kontexte, etwa bei der Entwicklung sozialer Projekte, angewendet werden kann. In der Befragung durch die Prüfungskommission unter der Leitung von Prof. Dr. Bettina Möllring von der Muthesius Kunsthochschule in Kiel und mit Prof. Dr. Rosan Chow von der Fakultät Architektur, die die Arbeit betreut hatte, wurde deutlich, dass weitere empirische Studien insbesondere zur Designpraxis und Lehre, Fragebögen, Gespräche und Tests auf Basis der Dissertation von Frau Reich ausgebaut werden können. Angeregt wurde, die Dissertation auch als kürzer gefasstes Handbuch für Designer*innen zu veröffentlichen.

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