Rennwagen aus Regensburg

Für den Wettbewerb Formula Student bauen Studierende ihren eigenen Rennwagen.

Jubiläumsgeschichte Dynamics e.V.
Foto: Dynamics e.V. Regensburg

Die Begeisterung für die Formula Student erfasste Yannick Seuthe schon während seiner Schulzeit. „Wenn ich an der OTH vorbeigefahren bin, habe ich von außen immer die Rennwagen der Dynamics Regensburg gesehen“, erzählt der Maschinenbaustudent. „Die Formula Student war einer der Gründe dafür, dass ich an die OTH Regensburg gegangen bin. Schon im ersten Semester bin ich dem Verein beigetreten.“ Ein paar Jahre später managte der Regensburger als Gesamtteamleiter die Truppe von etwa 70 Motorsportbegeisterten und war für Organisation und Finanzen zuständig. Wenn Seuthe erzählt, was die Mitglieder des Dynamics e.V. innerhalb von zwei Semestern auf die Beine stellen, gerät er ins Schwärmen. „Wir bauen innerhalb von acht bis neun Monaten ein komplettes Auto – inklusive dem Testen.“ Gegründet wurde der Verein 2007, nach dem ersten Formula Student Germany Event am Hockenheimring. Von Anfang an war es geplant, dass die Studierenden das Projekt weitgehend eigenständig umsetzen. Bei hochschulinternen Fragen oder in Sachen Bachelor- und Masterarbeit steht ihnen der Studiendekan der Fakultät Maschinenbau, Prof. Dr. Andreas Wagner, zur Seite.

Es macht jede Menge Spaß – und Arbeit

Im Jahr 2008 nahm der Dynamics e.V. erstmals mit einem Rennwagen an der Formula Student Germany teil und fuhr auf dem Hockenheimring auf Platz fünf. Seither entwickeln die Studierenden die Autos erfolgreich weiter. „Mit unserem Verbrennungsmotor waren wir das drittbeste Team in Deutschland“, erzählt Seuthe. „Es war schwer, den Verbrenner abzuhaken, weil er so erfolgreich war.“ Seit der Saison 2019 setzt der Verein dennoch auf E-Antrieb, für die Saison 2021 erstmals mit Driverless System. Das macht, wie der Teamchef versichert, „jede Menge Spaß“, aber auch ordentlich Arbeit.

Jubiläumsgeschichte Dynamics e.V. - Team 2019
Foto: Dynamics e.V. Regensburg

„Kurz vor der Fertigstellung ist es ein extremer Zeitaufwand“, sagt Seuthe, der dann pro Woche bis zu 70 Stunden investiert.

Auch der technische Leiter und die Fachbereichsleiter widmen sich ihren Aufgaben intensiv. „Im Sommersemester nehmen wir aus der Führungsriege in der Regel ein Urlaubssemester.“ Auch Seuthe hat viel Zeit investiert und inzwischen den Führungsjob an Jakob Nirschl übergeben – auch wenn er weiter im Vereinsvorstand bleibt. Von den vielen weiteren Mitstreiter*innen erwartet die Führungsspitze aber nicht annähernd so viel Einsatz. „Man kann auch mit fünf bis zehn Stunden pro Woche einen guten Beitrag leisten“, betont Seuthe.

Mitmachen kann generell jede*r – unabhängig von der Studienrichtung. Neben Maschinenbaustudierenden sind auch angehende Betriebswirt*innen, Industriedesigner*innen, Informatiker*innen, Mathematiker*innen und Elektrotechniker*innen im Team. „Wir müssen das Auto auf den Events auch vermarkten“, sagt der Vereinschef. Vom Businessplan über Sponsoring und Öffentlichkeitsarbeit ist auch Fachwissen jenseits der Konstruktion gefragt. Den gesamten Prozess an einem Werkstück zu entwickeln, bereichert die im Studium erworbenen Kenntnisse für alle Mitwirkenden. Dabei geben erfahrene Vereinsmitglieder ihre Expertise an die Erstsemester weiter. „Wir bündeln das Wissen aus mehr als zehn Jahren“, sagt Seuthe.

So viel Einsatz in der praktischen Umsetzung der Studieninhalte wirkt sich natürlich auch auf die Karriereperspektiven aus. „Man bekommt bei den Dynamics Einblicke in die Arbeitswelt und in verschiedene Unternehmen“, berichtet Seuthe. Bei den Events lassen sich viele Kontakte knüpfen und nicht selten finden Absolvent*innen aus dem Team mittels Pžichtpraktika direkt einen Einstieg bei namhaften Autobauern oder Zulieferern – wie dem Hauptsponsor Continental. „Formula-Student-Leute sind sehr gesucht, vor allem, wenn sie bereits eine Bereichsleitung innehatten“, weiß der Teamchef.

Diese Aussichten mögen eine naheliegende Zusatzmotivation sein, der Leidenschaft der Rennwagenkonstrukteur*innen kommt man aber erst wirklich auf den Grund, wenn diese von den Höhepunkten in der Teamarbeit erzählen. Vom Stolz auf die eigene Arbeit, wenn sie ihr Auto den Sponsoren präsentieren. Von der Nervosität bei der technischen Abnahme auf den Events. Von der Erleichterung, wenn die Tests bei den Wettkämpfen gut laufen und das Auto etwa das Fluten mit Wasser, den Kipp-, Bremsen- und Geschwindigkeitscheck gut absolviert hat. Vom Glück schon während der Konstruktionsphase, „wenn nach vielen Problemen zum ersten Mal der Motor anspringt“, führt Seuthe noch auf. „Und natürlich, wenn man auf die Bühne gerufen wird, weil man was gewonnen hat.“