Kostbares Gut

Aus einem Herzensprojekt von Studierenden entstand in Kenia eine Hilfsorganisation, die Tausende mit sauberem Trinkwasser versorgt.

Jubiläumsgeschichte Hydro Solution e.V.
Foto: Hydro Solution e.V./Clemens Kiefhaber

Nina Auer steckte noch mitten im Studium, als sie gefühlt schon ein kleines Unternehmen managte. „Die Projektaufbau-Arbeit war wie ein Vollzeitjob“, räumt sie ein, wenn sie auf die Anfänge ihres Herzensprojekts zurückblickt. Was als privates Engagement von Studierenden der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) begann, ist über die Jahre zu einer Initiative angewachsen, die tausende Kenianer*innen den Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglicht.

Alles begann damit, dass Nina Auer, damals Studentin der Betriebswirtschaft und Sozialen Arbeit, mit ihrem Lebensgefährten Maximilian Dötterl beim Studierendenverein Enactus Germany aktiv wurde. Ein Freund des Paares arbeitete in Kenia und erzählte von den Schwierigkeiten mit dem Trinkwasser in der Massai-Region. Das Problem: Durch einen schwankenden Grundwasserspiegel ist dieses extrem salzhaltig; dazu kommen Verunreinigungen durch die extensive Viehhaltung. „Mit konventionellen chemischen Methoden kommt man nicht weiter“, sagt Auer.

Hilfe zur Selbsthilfe war von Beginn an der Plan

Die Regensburger Studierenden wollten eine Lösung entwickeln, gewannen einige Mitstreiter*innen und gründeten 2017 einen Verein: Hydro Solution e.V. „Das Ziel war eine einfache, kostengünstige und vor Ort herstellbare Lösung“, erläutert Auer. In enger Kooperation mit der OTH Regensburg, deren Labore die Studierenden für Forschungs- und Bachelorarbeiten rund um das Hilfsprojekt nutzten, entwickelte das Team schließlich Biosandfilter. „Die Technik, auf der unsere Filter basieren, ist eigentlich seit dem 19. Jahrhundert bekannt“, erzählt die Gründerin. Für große Entwicklungsprojekte ist sie aber wenig attraktiv, weil die Filtration sehr zeitintensiv ist. In drei Minuten tröpfelt etwa ein Liter Wasser durch den Sand.

Jubiläumsgeschichte Hydro Solution e.V.
Foto: Hydro Solution e.V./Clemens Kiefhaber

Für die Probleme der Massai schien es die Lösung. Jahrelang perfektionierten die Studierenden ihre Idee und verbrachten ihre Semesterferien in Kenia. Sie bauten eine Produktionsanlage für die Filter auf, erstellten Schulungsmaterial und bildeten ein Team aus, das heute auf sieben Festangestellte ausgewachsen ist. „Unser Motto war Hilfe zur Selbsthilfe. Das macht Entwicklungshilfe ja aus: dass man Verantwortung übergibt“, sagt Auer, deren Projekt inzwischen mehrfach preisgekrönt wurde.

Fast 12 000 Menschen haben inzwischen sauberes Trinkwasser. „Seit einiger Zeit bauen wir auch Großfilteranlagen für Schulen“, erzählt Auer. Diese können bis zu 4.000 Liter am Tag reinigen, sodass die Kinder nicht nur sauberes Wasser zum Trinken haben, sondern auch für die Hygiene. 15 Schulen haben sie schon ausgestattet. Es läuft gut.

So kann sich Auer mittlerweile auch anderen Dingen widmen. Sie hat ihr Studium abgeschlossen, leitet den Wohnbereich im Zentrum für berufliche Förderung und Ausbildung in Schwandorf. Kenia aber lässt sie nicht mehr los. Gemeinsam mit dem Vereinsteam kümmert sie sich um Spendenakquise, Controlling und Buchhaltung sowie neue Ideen. „Vergangenes Jahr haben wir eine App zum Tracken der Filter entwickelt“, erzählt Auer. Und: Einmal im Jahr ist sie nach wie vor in Kenia – bei ihrem Projekt.