Gemischtwarenladen Architektur

Im Jubiläumsjahr bricht für die Fakultät Architektur mit dem Umzug auf den Campus am Galgenberg eine neue Ära an. Mit rund 700 Studierenden ist sie die kleinste der acht Fakultäten der OTH Regensburg; historisch betrachtet ist sie jedoch die Keimzelle der Hochschule.

Jubiläumsgeschichte Neubau Fakultät Architektur
Foto: OTH Regensburg/Tanja Rexhepaj

Als „Audimax über fünf Ebenen“ bezeichnet der Dekan der Fakultät Architektur, Prof. Andreas Emminger, das innere Wesen des neuen Fakultätsgebäudes. Tatsächlich erstrecken sich weitläufige Treppenanlagen wie im Außenbereich des Audimax der Universität über alle Stockwerke des Neubaus. Um ein Atrium herum befinden sich spiralförmig angelegt offene Lehrarbeitsräume, die mit sogenannten Eiermann-Gestellen für die Tischmöblierung ausgestattet sind. Ganz oben auf der Terrasse, mit Ausblick gen Neuprüll, dann nochmals eine gewaltige Treppenkonstruktion als Sitzinsel für das studentische Café A im Inneren. Prof. Emminger spricht von einem „Raumkontinuum“, das dem offenen Lehrkonzept und den interdisziplinär angelegten Studiengängen der Fakultät Rechnung trage.

Jubiläumsgeschichte Neubau Fakultät Architektur - Außenansicht
Foto: OTH Regensburg/Tanja Rexhepaj

Die Fakultät Architektur war die erste in Bayern, die sich im Rahmen des Ausbauprogramms ab dem Jahr 2006 abgekehrt hat von einer reinen architekturlehrenden Fakultät. Das jetzige Angebot mit den weiteren Bachelorstudiengängen Industriedesign, Bauklimatik und dem Masterstudiengang Historische Bauforschung will die Fakultät als „Gemischtwarenladen“ im positiven Sinne verstanden wissen. Zum Wintersemester 2022/2023 soll ein Masterstudiengang Design folgen. Die Öffnung der Fakultät hin zu Inhalten des Bauingenieurwesens, des Maschinenbaus, ja gar der Elektro- und Informationstechnik sei ein spannender Prozess gewesen, sagt der 2018 emeritierte Prof. Joachim Wienbreyer, der in dieser Zeit des Umbruchs und der Neuorientierung das Friedrich-Mielke-Institut für Scalalogie an die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) holte.

Jubiläumsgeschichte Neubau Fakultät Architektur - Arbeitsbereich
Foto: OTH Regensburg/Tanja Rexhepaj

Im Prinzip kehrt die Fakultät damit jedoch auch wieder zu ihren Anfängen aus Zeiten einer Baugewerkschule, wie sie in Regensburg in städtischer Hand seit 1897 existierte, zurück: Der damalige Schulleiter Julius Pöverlein war Architekt des Parkhotels Maximilian und seine Schüler lernten Zeichnen, Modellieren, Rechnen und Geometrie. An der aus der Baugewerkschule hervorgehenden Kreisbauschule wurde der Fächerkanon beträchtlich erweitert, beispielsweise um Baustofflehre, Statik, Baukonstruktionslehre, Landwirtschaftliche Baukunde, Vermessungskunde oder Tiefbau. Eine Cross-over-Disziplin war die Architektur also seit jeher; im "Gemischtwarenladen" von heute lehren Spezialisten für Cyber Craft, Film und Design genauso wie Expert*innen in Methodik, Entwurf und Konstruktion.

Dementsprechend breit gefächert ist das, was die Studierenden an Projektarbeiten hervorbringen. Dass dieser Weg erfolgreich ist, bewiesen jüngst drei Absolventinnen des Studiengangs Industriedesign: Sie dürfen ihre Arbeiten vom 8. bis 10. Oktober 2021 im Kunstgewerbemuseum Berlin bei den German Design Graduates vorstellen.