Vom Mechatronikstudenten zum Promi-Prof

Als Eigengewächs der OTH Regensburg bezeichnet er sich selbst, zudem als Generalist und Experte der Energiewende: Prof. Dr. Michael Sterner hat im Jahr 2005 sein Studium an der FH Regensburg im Fach Mechatronik abgeschlossen und ist seit 2012 Professor für Energiespeicher und Erneuerbare Energien an der OTH Regensburg.

Jubiläumsgeschichte Prof. Dr. Michael Sterner
Foto: OTH Regensburg/Ludwig Langwieder

Wenn Prof. Dr. Michael Sterner heute auf Veranstaltungen zum Thema "Klimaschutz" auftritt, braucht er schon mal Polizeischutz; er muss sich wehren gegen Politiker*innen, die Selfies mit ihm für ihre Zwecke benutzen wollen; in den Medien ist er ein gefragter Experte rund um Energiethemen. Was er sagt, klingt unglaublich: „Wenn wir nichts tun, können wir die Besiedelung von Regensburg in 20 bis 30 Jahren aufgeben. Es geht nicht nur um Hochwasser und Tornados: Die Anzahl der tropischen Nächte, in denen die Temperatur nicht mehr unter 20 Grad Celsius fällt, wird dann auch hier dermaßen angestiegen sein, dass viele Ältere an der starken Hitze sterben. Die Altstadt wird dann wertlos.“

Gemeinsam mit anderen Wissenschaftler*innen habe er dies bereits vor mehr als zehn Jahren postuliert; nun gehe es ihm darum, seine Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit mitzuteilen, denn: „Wenn ich etwas aus meiner Wissenschaft heraus erkenne, dann muss ich das nach außen tragen. Wir Professorinnen und Professoren haben Vorbildfunktion und unser Mandat ist es, den gesellschaftlichen Diskurs mit wissenschaftlichen Fakten zu bereichern.“ Deshalb engagiert er sich bei Scientists for Future, deshalb setzt er sich auf eine Bank in der Regensburg Altstadt, um beim Format Science Bench mit den Passanten zu diskutieren, deshalb tritt er in bundesweiten TV-Sendungen wie der "heute-show" auf. Seine grundlegende Botschaft: „Auf einem begrenzten Planeten sind die Ressourcen und damit das Wachstum nicht unbegrenzt. Wir können die Klimaneutralität aber noch erreichen, wenn jeder seiner Verantwortung gerecht wird. Da zählt jedes Kilogramm CO2.“

Prof. Dr. Michael Sterner ist gebürtiger Niederbayer und hat nach einer Ausbildung im Elektrohandwerk sein Technisches Abitur an der BOS Passau gemacht. Danach war er zwei Jahre lang in Kenia in einem Entwicklungshilfe-Projekt zu PV-Diesel-Hybridsystemen tätig. Wieder zurück, entschied er sich schließlich für ein Studium der Mechatronik an der FH Regensburg. An der Universität Oldenburg hängte er das Masterstudium Renewable Energy an. Daraufhin arbeitete er als wissenschaftlicher Referent im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung "Globale Umweltveränderungen". 2009 promovierte er an der Universität Kassel mit einer Arbeit zu Power-to-Gas, dem von ihm entwickelten Verfahren der Nutzung von erneuerbaren Energiequellen zur CO2-Methanisierung. Im Herbst 2020 ging ein daraus entstandener Bio-Reaktor ans Netz, den Prof. Dr. Sterner an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg), wo er seit 2012 lehrt, gemeinsam mit seinem Team der Forschungsstelle für Energienetze und Energiespeicher (FENES) entwickelt hat. 

In der für ihn persönlich schönsten Vorlesung seiner Professorenlaufbahn ging es allerdings gar nicht um Energie: Im Rahmen der AW-Fächer unterrichtete er eine Zeit lang "Tontechnik, Recording und Komposition" – Prof. Dr. Sterner ist nämlich leidenschaftlicher Musiker, spielt zudem Improtheater und beschäftigt sich viel mit Psychologie und Philosophie.