Neue Wege zur Doktorwürde

Vor 25 Jahren schlossen 16 FH-Absolvent*innen ihre Promotion ab – in ganz Deutschland. Im Jahr 2020 wurden allein an der OTH Regensburg 13 Nachwuchswissenschaftler*innen promoviert.

Jubiläumsgeschichte Promotion
Foto: Priscillia Grubo

Dass ein FH-Abschluss überhaupt zu einer Promotion berechtigt, war lange Zeit politisch höchst umstritten. Im Jahr 2002 gab es an der damaligen FH Regensburg den ersten Absolventen, der diesen Weg einschlug: Alexander Pfeuffer bearbeitete an der Fakultät Allgemeinwissenschaften und Mikrosystemtechnik (jetzt Angewandte Natur- und Kulturwissenschaften) unter Betreuung von Prof. Dr. Alfred Lechner ein Thema zum Mechanismus der alkalischen Partikelentfernung; die Universität Kiel verlieh ihm schließlich im Jahr 2006 den Doktorgrad. Auch heute muss eine Universität mit im Boot sein, wenn es um eine kooperative oder Verbundpromotion an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) geht.

Denn in Bayern haben Universitäten das alleinige Promotionsrecht – noch. Das geplante Hochschulinnovationsgesetz sieht dieses Recht jedoch auch für HAW vor. Im Jubiläumsjahr der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) tut sich auch deshalb in diesem Bereich einiges, zum Beispiel soll unter der Leitung von Prof. Dr. Oliver Steffens, Vizepräsident für Forschung und Internationalisierung, eine neue Servicestelle für den wissenschaftlichen Nachwuchs aufgebaut werden. Vorgesehen sind hierbei umfassende Beratungs- und Vernetzungsangebote, Qualifizierungsprogramme sowie eine strukturierte Karrierebegleitung für die Promovierenden. Durch diese Stelle soll außerdem die Forschungsleistung der Promovierenden an der OTH Regensburg sichtbar gemacht werden. Und die ist enorm – um nur ein Beispiel zu nennen: Die Arbeit von Doktorand Robert Mendel im Labor Regensburg Medical Image Computing (ReMIC) von Prof. Dr. Christoph Palm hat wesentlich zur Entwicklung einer KI-Software zur Erkennung von Speiseröhrenkrebs im Frühstadium beigetragen, so dass im Oktober 2021 eine weltweit exklusive Lizenz für die Software von einem kanadischen Unternehmen erworben werden konnte.   

Aus der Fakultät Informatik und Mathematik, zu der das ReMIC gehört, gehen aktuell (Stand November 2021) zusammen mit den Fakultäten Maschinenbau sowie Angewandte Natur- und Kulturwissenschaften die meisten Promotionsvorhaben hervor. Insgesamt arbeiten derzeit 115 Nachwuchswissenschaftler*innen an der OTH Regensburg an ihrer Dissertation und sind dabei häufig in interdisziplinäre Projekte eingebunden. „Die Intensivierung der Forschungsaktivitäten und das hohe Transferpotential an der OTH Regensburg gehen Hand in Hand mit den innovativen Projekten unserer Promovierenden“, sagt Dr. Iris Helffenstein, Referentin im Bereich akademische Nachwuchsförderung.

Ihr ist es auch ein Anliegen, ein breites Bewusstsein für die Chancen und Möglichkeiten an der OTH Regensburg zu schaffen: Die Hochschule beteiligt sich zum Beispiel an der Kampagne „I love Science“ des Bayerischen Wissenschaftsforums (BayWISS) und der Landeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an bayerischen Hochschulen (LaKoF Bayern), die Absolvent*innen aller Fachrichtungen für eine Promotion begeistern und insbesondere den Frauenanteil unter den Doktorand*innen erhöhen möchte. Eines der Gesichter der Kampagne ist Elisabeth Wittmann: Sie ist Mitarbeiterin im von Prof. Dr. Rudolf Bierl geleiteten Sensorik-ApplikationsZentrum (SappZ) der OTH Regensburg und promoviert in Kooperation mit der Technischen Universität München zum Thema „KI in der Spektralanalyse“. Dabei entwickelt sie die Programmierung für einen Sensor, der mithilfe eines Lichtstrahls die Zusammensetzung von Gasen analysieren soll. Darin steckt großes Potential, zum Beispiel bei der Messung von Aerosolen in der Raumluft – in Pandemiezeiten ein hochaktuelles Thema.