Wenn Angst oder Stress Studieren unmöglich machen

Die Psychosoziale Beratung der OTH Regensburg, die Studierenden seit 2007 ihre Unterstützung bietet, wird zu Pandemiezeiten stark nachgefragt.

Jubiläumsgeschichte Psychosoziale Beratung
Foto: OTH Regensburg/Mitch Rue

Es sind oft unspezifische Symptome wie Motivations-, Konzentrations-, Schlafprobleme oder Ängste, aber auch Diagnosen wie Depression, Waschzwang, Hochsensibilität oder Bulimie, die die Betroffenen umtreiben – so sehr, dass sie den Kontakt suchen zur Psychosozialen Beratungsstelle der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg). Seit 2007 gibt es die Anlaufstelle als Teil der Allgemeinen Studienberatung (ASB); seither ist hier Diplom-Sozialpädagogin Andrea März-Bäuml neutrale Ansprechpartnerin für die Studierenden. Die Beratungszahlen sind auf einem hohen Level und nehmen seit dem Wintersemester 2020/2021 noch merklich zu: „In den letzten beiden Semestern leiden viele Studierende unter dem mangelnden Kontakt zu Mitstudierenden und Freunden und fühlen sich einsam. Die Decke fällt zunehmend auf den Kopf. Die meisten sitzen viele Stunden vor dem PC, um Vorlesungen anzuschauen und möchten danach dann keine Online-Gespräche mit Freunden mehr führen“, sagt Andrea März-Bäuml.

Neben einer telefonischen Kontaktmöglichkeit können die Studierenden normalerweise in einer offenen Sprechstunde der ASB einfach vorbeikommen und dann einen persönlichen Beratungstermin vereinbaren. Doch in Pandemiezeiten ist das nicht möglich: Deshalb bietet Andrea März-Bäuml, die wie ihre Kolleginnen der Schweigepflicht unterliegt, mindestens einmal pro Woche Spaziergänge auf dem Campus an. Was sie von den Hilfesuchenden zu hören bekommt, ähnelt sich vielfach: „Ich fühle mich einsam, da kaum Kontakt zu den Kommiliton*innen besteht, gleichzeitig habe ich nicht die Kraft, immer die virtuellen Treffen selbst zu initiieren.“ Oder: „Ich schreibe zurzeit meine Masterarbeit, was für mich eine große psychische Belastung darstellt.“ Oder aber: „ Aufgrund einer Psychose kann ich momentan nicht die erforderliche Konzentration und Arbeitsmoral aufbringen. Wahrscheinlich hat das etwas mit der Isolation durch die Corona-Zeit zu tun. Seit Wochen kämpfe ich mit Motivationslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Konzentrationsproblemen, Müdigkeit und Appetitverlust.“

Das Angebot der psychosozialen Beratung ist kostenlos, unverbindlich und kann auch anonym wahrgenommen werden. Die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme soll möglichst niedrig sein. Die Beratung hat zum Ziel, gemeinsam mit dem*der Student*in das Anliegen zu besprechen und weitere Wege zu überlegen, zum Beispiel die Vermittlung zu weiteren Beratungsstellen, zu Ärzt*innen oder Therapiemöglichkeiten. Um dem besonderen Beratungsbedarf in den Corona-Semestern zu begegnen, gibt es seit Herbst 2020 ein neues Angebot: Eine Peer-to-peer-Telefonaustauschstunde für einen persönlichen "Ratsch mit Gleichgesinnten". Jeden Montag, Mittwoch und Donnerstag zwischen 12 und 13 Uhr warten die studentischen Hilfskräfte der ASB unter dem Motto "Ich schenk dir mein Ohr am Telefon" auf Anrufe ihrer Kommiliton*innen.