Vom Barometer zum Luftdrucksensor

Schon der Ur-Begründer der OTH Regensburg, Dr. Ferdinand von Schmöger, stellte Messungen zu Klimaparametern an. Im neuen Studiengang Umwelt- und Industriesensorik wird ebenfalls gemessen – mit mikro- und nanotechnologischen Verfahren. Damit können unter anderem in den Bereichen "Medizin", "Umwelt" und "Automobiltechnik" geringste Ströme und Stoffe anhand hochsensibler Analysegeräte gemessen und analysiert werden.

Jubiläumsgeschichte Umwelt- und Industriesensorik
Foto: OTH Regensburg/Florian Hammerich

Bereits vor 205 Jahren, anno 1816, rief Dr. Ferdinand von Schmöger eine „polytechnische oder höhere Sonntagsschule“ ins Leben. Dort erteilte er Unterricht in Maschinenlehre, Technologie, Chemie, Naturbeschreibung und bürgerlicher Rechenkunst. In dieser Einrichtung liegen die Wurzeln der heutigen Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg). Was er insbesondere im Fach "Naturbeschreibung" seinen Schülern vermittelte, fußte wohl zum Teil auch auf eigener Analyse: Ab 1825 führte er die meteorologischen Beobachtungen von Fürstabt Cölestin Steiglehner sowie dessen Schüler Placidus Heinrich fort. „Allein die Instrumente [...] waren noch sehr unvollkommen; namentlich war am Barometer kein Thermometer angebracht“, beschrieb von Schmöger die damalige Ausgangslage. Von der Mannheimer meteorologischen Gesellschaft habe man schließlich „zweckmäßigere Apparate“ erhalten können. Von Schmöger zeichnete vor allem Temperatur und Luftdruck auf und hielt zudem weitere, vor allem für die Landwirtschaft bedeutende Parameter wie Niederschlagsmengen fest.

Heutzutage haben Forscher*innen der OTH Regensburg hochsensible Analyse- und Messgeräte entwickelt, die zum Beispiel zur Erfassung von umweltbelastenden Stoffen wie Nitrat, Schwermetallen, Sprengstoffen oder Antibiotika in Grundwässern dienen. Mit den modernen „Sinnesorganen“ der Technik, den Sensoren, können die Forscher*innen zudem klimaschädliche Stoffe wie CO2 oder Methan nachweisen. Dank dieser hochsensiblen Mess- und Analysetechniken können sie Daten erheben, die zu einem aktiven Klima- und Umweltschutz beitragen. Auf der beachtlichen Expertise auf diesem Gebiet an der OTH Regensburg, fußt nun ein neuer Studiengang: Der siebensemestrige Bachelorstudiengang Umwelt- und Industriesensorik startet zum Wintersemester 2021/2022.

Jubiläumsgeschichte Umwelt- und Industriesensorik - Studierende
Foto: OTH Regensburg/Florian Hammerich

Laut Chemieprofessor Dr. Alfred Lechner analysieren die Studierenden der Umwelt- und Industriesensorik beispielsweise Radon-Konzentrationen in der Luft oder Viren im menschlichen Körper. Dabei arbeite man eng zusammen beispielsweise mit Herstellern analytischer Geräte. Solche Geräte sind mit einer Vielzahl von speziellen Sensoren ausgestattet; einfachere Sensoren wie Temperatur- oder Luftdruckmesser sind heutzutage schon in jedem Smartphone integriert. Der Luftdrucksensor hat dem Barometer den Rang abgelaufen; an der Bedeutung der Messungen an sich, hat sich jedoch nichts geändert.